Rehabilitation

 

Reha

Der demographische Wandel bedingt zunehmend höhere Fallzahlen bei Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel-, Atemwegserkrankungen wie auch bei Hirnleistungsstörungen und Mobilitätseinschränkungen aufgrund von Defekten des Bewegungsapparates. Dies hat enorme Auswirkungen auf die medizinische Nachsorge und Rehabilitation.

Die Mobilitätserhaltung bewegungseingeschränkter Personen ist ein zentrales übergeordnetes Anliegen heutiger Rehabilitations- und Trainingsregimes. Studien haben gezeigt, dass bereits ein 15-minütiges tägliches Bewegungsprogramm nicht nur zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität, sondern auch zu einer Steigerung der Lebenserwartung geführt hat.

Therapeutische und Rehamaßnahmen werden in der Regel im Krankenhaus begonnen und müssen anschließend zu Hause weitergeführt werden. Regelmäßiges Training und eine dauerhafte Erhaltungstherapie sind wichtig, damit Patienten etwa nach einem Schlaganfall ihre Beweglichkeit zurückgewinnen und in die Lage versetzt werden, wieder ein weitgehend selbstständiges, aktives Leben zu führen.

Die Realität sieht allerdings häufig anders aus. Viele Patienten erhalten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nicht die optimale Unterstützung bei der Rehabilitation, denn eine Therapie zu Hause ist kostspielig, und aufgrund ihrer Einschränkungen können die Patienten häufig ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Vor diesem Hintergrund gewinnen auch telemedizinische Assistenzsysteme und telematisch gestützte innovative Therapiekonzepte mehr und mehr an Bedeutung, insbesondere bei der Entwicklung neuer Trainingsprogramme im Bereich der neurologischen Rehabilitation. In vielen Fällen ist es für diese Patienten dann sehr hilfreich, ein telematisches Betreuungssystem zur Verfügung zu haben, um im Bedarfsfall die notwendige Assistenz zu erhalten. Auch zur Begleitung und Weiterführung von Reha-Maßnahmen haben sich datenbankgestützte Systeme wie COMES® in der Praxis bereits bewährt.

Hier einige konkrete Beispiele für die telematische Rehabilitation. Es handelt sich dabei um laufende oder abgeschlossene Projekte unter Beteiligung der Hochschule Kempten (siehe Wolf et al. 2017):

  • „DorsiFlex“

Bei der sogenannten Fußheberschwäche ist ein kontinuierliches Training der Muskeln und Bewegungsabläufe zu Hause empfehlenswert. Bei dem in Kooperation mit der medica Medizintechnik GmbH entwickelten Trainingsgerät „DorsiFlex“ erkennen Sensoren in den Pedalen Funktionsstörungen in der Fuß- und Beinmuskulatur des Patienten. Die Antriebseinheit der Pedale liefert dem Patienten auf Basis dieser Informationen anschließend eine individualisierte Bewegungstherapie. Die Daten können über das COMES®-System automatisch dem behandelnden Physiotherapeuten zur Verfügung gestellt werden. Dieser kann dem Patienten daraufhin auf das Trainingsgerät personalisierte Trainingseinheiten vorschlagen bzw. „verordnen“ – das Gerät holt sich die Trainingseinheiten wie ein Rezept aus dem zentralen System ab.

  • „iBikos II“

Mit diesem Bewegungstrainer kann eine in der Reha-Einrichtung begonnene Mobilisation zu Hause fortgeführt werden. Der Patient bekommt auf einem TV-Bildschirm ein animiertes Radrennen eingeblendet und trainiert gegen zwei fiktive Gegner, während er parallel fernsehen kann. Die Trainingsdaten können dabei automatisch dem COMES®-System zur Verfügung gestellt werden, so dass der behandelnde Physiotherapeut oder die Reha-Klinik über die Fortschritte informiert und der Patient beim Training zu Hause aktiv betreut wird.

  • Audiofeedback in der telemedizinischen neurologischen Rehabilitation

Eine Variante eines neuen innovativen Therapiekonzeptes ist die Nutzung von akustischem Feedback in der Arbeit mit dem Patienten. Ein mögliches Trainingskonzept richtet sich speziell an Patienten mit der Parkinson-Erkrankung: Eines der Hauptsymptome dieses neurologischen Leidens ist (neben dem Tremor) die Verlangsamung der Bewegungsabläufe bis hin zur kurzzeitigen Unbeweglichkeit („Freezing“), was zu Stürzen führen kann. Studien zeigen, dass besonders die Neurologische Musiktherapie (NMT) zu Verbesserungen im Bewegungsbild der Parkinson-Patienten führen kann. Die rhythmische-musikalische Stimulation wirkt sich dabei positiv auf die Gleichmäßigkeit der Bewegung und einen Rückgang der Blockaden aus. Mit einem Fahrradtrainer und einer angepassten Software kann die Wiedergabe der Musik in Abhängigkeit der Tretgeschwindigkeit des Patienten gesteuert werden. Dem Patienten wird so geholfen, ein gleichmäßiges Trainingstempo beizubehalten.

  • „BalThaSAR“ – Balance-Therapie mit automatisierter Sonifikation

Sturzprävention ist eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen bei hochbetagten Menschen. Zur Vermeidung von Stürzen ist insbesondere ein effektives Training des Gleichgewichts notwendig: Dies ist das Ziel des folgenden Projektbeispiels, in dem ein autonom und intelligent arbeitendes Rehabilitationssystems entwickelt wurde. Das taskorientierte Training wird bei diesem Konzept rein akustisch geführt und geleitet. Durch entsprechende Vertonung der Körperbewegungen wird dem Patienten die aktuelle Position wie auch die Ziel-Position akustisch angezeigt. Wird die visuelle Wahrnehmung nun gezielt unterbunden, so können das Gleichgewichtsorgan und die Körpereigenwahrnehmung wieder verstärkt und gezielter trainiert werden (Fuchs et al. 2018).

Weitere Tele-Nachsorgeangebote sind:

  • Softwareprodukte ohne Therapeutenkontakt/-begleitung, bei denen ein handelsüblicher PC, ein Tablet oder Smartphone zur Motivierung/Aufrechterhaltung von z. B. Bewegungs- oder Ernährungsverhalten oder dem Training bestimmter Funktionen ausreicht
  • Telemetrische Überwachung von Körperfunktionen mit (akut-)medizinischer Intervention bei Auffälligkeiten
  • „normale“ kommerzielle Gesundheits-Apps.

Literatur

Fuchs, Dominik; Knauer, Martin; Friedrich, Petra (2018): Chancen von akustischem Feedback für die motorische Rehabilitation am Beispiel des ”Guidance-Effekt”. In: Bernhard Seeber (Hg.): Fortschritte der Akustik – DAGA 2018. 44. Jahrestagung für Akustik, 19.-22. März 2018 in München. Berlin: Deutsche Gesellsch. f. Akustik, S. 913–916.

Wolf, Bernhard; Scholze, Christian; Friedrich, Petra (2017): Digitalisierung in der Pflege – Assistenzsysteme für Gesundheit und Generationen. In: Mario Alexander Pfannstiel, Sandra Krammer und Walter Swoboda (Hg.): Digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen III. Impulse für die Pflegepraxis. Wiesbaden: Springer Gabler, S. 113–135.


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